Westwind

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"Zu zweit ist es am schönsten" – ein Satz, der für viele Bereiche des Lebens Gültigkeit besitzt. Da ist Intimität und Vertrautheit, und was gibt es ­Schöneres als zusammen zu verreisen? Zum Beispiel nach Frankreich, ins Mutterland des Saxophons? In ihrem neuen Programm „Westwind“ ­spüren Christian Elin und Maruan Sakas den besonderen Verbindungslinien zwischen der klangästhetischen Musik ihrer französischen Nachbarn und ihren eigenen Kompositionen nach.

Die beiden Musiker schaffen mit ihrer außergewöhnlichen Instrumenten­kombination ein musikalisches Panorama, für welches man einen ziemlich hohen Aussichtspunkt erklimmen muss. Während der erste Teil mit Werken von Bach, Schumann und Poulenc aufwartet, bedienen sich die Eigenkompositionen in der zweiten Programmhälfte Elementen des Jazz sowie der Welt- und Filmmusik. Doch was auf den ersten Blick so unterschiedlich scheint gehört zusammen: Da ist zunächst die Musik von Johann Sebastian Bach, der selbst einer der größten Improvisatoren war. Außerdem Robert Schumann, der viele französische Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts und nicht zuletzt auch Francis Poulenc beeinflusste, dessen harmonische Klangsprache wiederum auf den Jazz verweist. Die Eigenkompositionen des Duos schließlich enthalten einen hohen Grad an auskomponierten Parts mit komplexen Strukturen, wie man sie aus der klassischen Musik kennt, und die immer wieder von improvisatorischen Höhenflügen aufgelöst werden.

Eine weitere Klammer für die beiden Konzertteile bilden die französischen ­Titel der Eigenkompositionen, die oft sogar in Frankreich entstanden sind, wie z.B. „Le vent de l´ouest“, das Titelstück des Programms. Musik zum Träumen, die wie eine sanfte Brise Christian Elins Sehnsucht nach seiner französischen Zweitheimat ausdrückt.

Es ist wahrscheinlich nicht zu viel versprochen, wenn man sagt, dass hier die Klassiker von morgen entstehen. Neue Musik des 21. Jahrhunderts, vor der man sich nicht fürchten muss. Musik, die den Zuhörer an die Hand nimmt und die doch nicht auf Anspruch und Freigeist verzichtet. In ihrer Musik verschmelzen die beiden Ausnahmekünstler somit die Klarheit klassischer Form mit der Freiheit der Improvisation. Westwind – das ist ­hochintelligente Musik, spannend, virtuos und unterhaltsam zugleich.

Erste Programmhälfte u. a.

Johann Sebastian Bach, Flötensonate BWV 1031
Robert Schumann, Adagio und Allegro
Claude Debussy, Rapsodie
Francis Poulenc, Sonate für Oboe
Frederic Chopin, Sonate für Violoncello und Klavier

Zweite Programmhälfte u. a.

Christian Elin, Le vent de l’ouest
Christian Elin, En route
Christian Elin, Un pas jusqu’au seuil
Maruan Sakas, Juste pour le plaisir
Maruan Sakas, Rhythm Changes!
Maruan Sakas, ECMS


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Some Kind of Blues

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Der Titel „Some Kind Of Blues“ darf ruhig als eine Anspielung auf Miles Davis‘ Meilenstein des Jazz „Kind Of Blue“ verstanden werden. Christian Elin und Maruan Sakas eröffnen in diesem Programm einen musikalischen Horizont, der, vom Blues ausgehend, über Bach und Strawinsky bis in die Gegenwart hinein einiges miteinander verbindet, was man so nicht erwartet hätte. Hochintelligente Musik, spannend, virtuos und unterhaltsam zugleich.

Da werden wunderbar verwehte Klänge des Saxophonisten von arabesken Pianofiguren mal im Staccato, dann wieder sehr sanft getaktet, ganz kurz ins kakophonische Bad getaucht und schließlich in schwüler Jazzclub-Atmosphäre getrocknet. Rhythmik und eine reiche Melodienlandschaft offerieren die Eskapaden der beiden Musiker wie aus dem Füllhorn gegossen. Es bleibt auch herrlich rätselhaft, aus welchen Ecken dieser Welt die beiden Musiker ihre Ideen bezogen haben. So beginnt etwa das epische „Un pas jusqu’au seuil“ wie manche Balladen des mediterranen Melancholikers Paolo Conte und öffnet auch den ersten Seitenblick auf den Blues. Es soll nicht der letzte bleiben.

Zwar darf „Some Kind Of Blues“ durchaus als eine Art moderner Kammerjazz bezeichnet werden, jedoch spielt der klassische Background beider Musiker eine ebenso bedeutende Rolle wie die zahlreichen Seitenblicke bis hinein in den Pop, die allein schon das durchgehend von buntem Reichtum an Melodien erschaffene Panorama eröffnet. Und weil das Duo seinen Stücken so grandios viel Weißraum gönnt, dürfen Hörer mit ein bisschen Fantasie sich ihre eigenen Drehbücher ausdenken, die mit dieser Musik trefflich zu begleiten wären.

Ihre Musik, sagen Elin und Sakas unisono, habe ein „breit gefächertes Spektrum ». Ein schönes Beispiel dafür ist die Komposition ’Juste pour le plaisir’, der einzige Titel des Programms, der als kompositorische ’Koproduktion’ entstanden ist: dort beginnt die Musik mit einer ziemlich ’poppigen’ Akkordfolge, die dann nach und nach komplexere Formen annimmt, bis man plötzlich Chopin durchhört. Und ehe der Zuhörer allzu lange im romantisch angehauchten Wohlklang ’baden’ darf, mündet das Stück schließlich in einen munteren ’Jam’ im 6/8-Takt.“ Solch kaleidoskopische Beschreibungen wären für wirklich jedes Stück des Programms „Some Kind Of Blues“ möglich. Ein wirklich rarer Glücksfall.

Erste Programmhälfte

Christian Elin, En route
Maruan Sakas, 1-2-5
Christian Elin, A midsummer night's dream
Maruan Sakas, Some kind of Blues
Maruan Sakas, Juste pour le plaisir

Zweite Programmhälfte

Christian Elin, The scent of light
Christian Elin, Un pas jusqu’au seuil
Maruan Sakas, Stück für Stück
Christian Elin, A better job
Christian Elin, Hymne angevin


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